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19. März 2025

Pneumatik-Verriegelung: Druckluft sicher absperren und entlüften

Welche Ventile und Armaturen sich eignen, wie Sie Restdruck ablassen und warum Zylinder trotzdem fallen können: Pneumatik-Verriegelung in sieben Schritten.

Pneumatik-Verriegelung: Druckluft sicher absperren und entlüften

Bei der Pneumatik-Verriegelung reicht es nicht, das Druckluftventil zu schließen. Die Luft in Leitungen, Behältern und Zylindern kann die Maschine weiter bewegen: Ein Normzylinder mit 100 mm Kolbendurchmesser drückt bei 6 bar mit 4712 N, etwa der Gewichtskraft von 480 kg.[1]

Vier Fragen entscheiden über jede Druckluft-Verriegelung:

  1. Wo gelangt Druckluft in die Maschine, und gibt es mehr als eine Einspeisung?
  2. Welches Ventil trennt jede Einspeisung, und lässt es sich abschließen?
  3. Wo bleibt Luft eingeschlossen: in Behältern, Leitungen, Schläuchen, Zylindern?
  4. Was bewegt sich oder fällt, wenn diese Luft entweicht?

Teil 1: Was die Pneumatik-Verriegelung abdecken muss

Das geschlossene Absperrventil stoppt nur die Zufuhr. Nach dem Abschalten bleibt Restdruck im Druckspeicher und im ganzen System, in Kolben, Rohren und Schlauchleitungen. Er kann für sich allein eine gefahrbringende Bewegung auslösen.[2]

Dieselbe Luft hält oft etwas fest: Ein senkrechter Zylinder hält ein Werkzeug oben, ein Spanner ein Werkstück, ein Greifer eine Last. Lassen Sie die Luft ab, fallen diese Teile herunter oder lassen los. Die DGUV verlangt deshalb zu prüfen, welche Bewegungen der Druck auslösen kann und welche er verhindert.[2] Senken oder sichern Sie diese Teile zuerst.

Zwei weitere Fallen: Bei einer Blockade baut sich Druckenergie auf, die beim Lösen schlagartig frei wird.[2] Und ein geschlossenes Wegeventil kann Luft im Zylinder halten, während das Manometer an der Zuleitung schon null zeigt.

Das EU-Maschinenrecht gibt den Rahmen vor: abschließbare Trenneinrichtungen und ein gefahrloser Abbau gespeicherter Energie.[3] Unsere Produkte zur Pneumatik-Verriegelung halten diese Stellen geschlossen oder getrennt.

Teil 2: Welche Ventile und Armaturen eignen sich für Pneumatiksysteme?

Druckluft wird an vier Arten von Stellen getrennt. Jede braucht ihre eigene Vorrichtung.

TrennstelleGesicherte StellungVorrichtung
Kugelhahn in der Zuleitung oder im AbzweigHebel geschlossenKugelhahn-Verriegelung und Sicherheitsschloss
Abschließbares Einschaltventil mit Entlüftung an der WartungseinheitZufuhr zu, nachgeschaltete Luft entlüftetSicherheitsschloss am Schließpunkt des Ventils, Schließbügel für Gruppen
Schnellkupplung oder SteckanschlussGetrennt, nicht wieder anschließbarVerriegelungsbox für Stecker oder Absperrung der Luftquelle
Entlüftungs- oder Ablassventil an Behälter oder VerteilerOffenVentilverriegelung oder Schließpunkt am Ventil

Hat die Maschine ein abschließbares Einschaltventil mit Entlüftung, ist das die beste Trennstelle: Ein Handgriff sperrt die Zufuhr und entlüftet die Anlage dahinter. Genau dieses Paar verlangt auch das französische INRS: Absperrorgane geschlossen, Entlüftungsorgane offen gesichert.[4]

Für Schnellkupplungen umschließt die Pneumatische Luftisolationsbox Stecker von 9 bis 20 mm und nimmt bis zu vier Schlösser auf. Die Pneumatische Absperrung passt auf Verschraubungen von 12, 13 und 16 mm. Für Kugelhähne in der Druckluftleitung passt die Universal-Kugelhahn-Absperrung auf Größen von 6 bis 101 mm (1/4" bis 4"). Für Schieber und Absperrklappen vergleicht unser Beitrag zu den Methoden zur Ventilverriegelung die Möglichkeiten.

Bewährte Praxis: Sichern Sie die Entlüftung offen, nicht nur die Zufuhr geschlossen. Ein leicht undichtes Absperrventil füllt die Leitung langsam wieder, und eine wieder geschlossene Entlüftung lässt diesen Druck ansteigen. Das Manometer an der Arbeitsstelle bleibt für alle sichtbar.

Teil 3: Das Verfahren in sieben Schritten

EN ISO 14118 beschreibt das Trennen und Ableiten von Energie als vier Handlungen: trennen, sichern, gespeicherte Energie abbauen, Wirkung prüfen.[5] Für Druckluft werden daraus sieben Schritte, festgehalten im Lockout-Tagout-Verfahren der Maschine:

  1. Vorbereiten. Verfahren lesen, Bedienpersonal informieren, Maschine mit den normalen Befehlseinrichtungen stillsetzen.
  2. Sichern, was die Luft hält. Senkrechte Achsen in die untere Endlage fahren oder abstützen, Teile aus Spannern und Greifern nehmen.
  3. Jede Einspeisung trennen. Absperrventil schließen oder Kupplung trennen. Hilfskreise und Gasflaschen, die die Maschine versorgen, nicht vergessen.[4]
  4. Verriegeln und kennzeichnen. Jede beteiligte Person sichert jede Trennstelle mit ihrem eigenen Schloss und LOTO-Anhänger; ein Schließbügel nimmt mehrere Schlösser auf.[2]
  5. Entlüften. Entlüftungs- oder Ablassventile langsam öffnen, den Austritt weg von Personen gerichtet, und offen sichern. Behälter an der Maschine entlüften.
  6. Druckfreiheit prüfen. Das Manometer an der Arbeitsstelle ablesen, nicht nur an der Zuleitung. Einen Startversuch machen. Eingeschlossene Luft zwischen Ventilen und Zylindern so ablassen, wie das Verfahren es vorgibt. Jedes System muss vor der Instandhaltung drucklos gemacht und auf Druckfreiheit geprüft werden.[2]
  7. Wieder einschalten. Werkzeug entfernt, Personen außerhalb des Gefahrbereichs, jede Person nimmt nur ihr eigenes Schloss ab. Entlüftung schließen, dann langsam belüften: Ein Zylinder mit leerer Kammer kann beim Druckaufbau ruckartig fahren.

Aus der Praxis: In einer Raffinerie wurde eine Pumpe abgestellt, die Ventile wurden geschlossen und der Zwischenraum entleert. Ein Ventil schloss wegen Ablagerungen nicht ganz, heißes Produkt lief unter Druck zurück. Vor dem Öffnen des Pumpendeckels prüfte niemand erneut, und der Schlosser wurde übergossen.[2] Ein geschlossenes Ventil beweist nichts, der Messwert an der Arbeitsstelle schon.

Hat die Maschine auch Hydraulik, brauchen Druckspeicher eigene Schritte, denn sie speichern weit mehr Energie. Mehr dazu im Beitrag zur Hydraulik-Verriegelung.

Teil 4: Vorschriften in der EU, in Deutschland, der Schweiz und Frankreich

  • EU-Maschinenrecht: Richtlinie 2006/42/EG, Anhang I 1.6.3, ab 20. Januar 2027 Verordnung (EU) 2023/1230, Anhang III 1.6.3: Trenneinrichtungen müssen abschließbar sein, wenn das Wiedereinschalten Personen gefährden kann, und gespeicherte Energie muss sich gefahrlos ableiten lassen. Kreise dürfen nur mit besonderen Schutzmaßnahmen verbunden bleiben, etwa um Teile zu halten.[3]
  • EN ISO 14118: die vier Handlungen oben, für alle Energiearten, auch Pneumatik.[5]
  • EN ISO 4414: Sicherheitsanforderungen an pneumatische Anlagen von Maschinen. Kompressoren und die Druckluftverteilung im Werk, Behälter eingeschlossen, sind ausgenommen. Diese Seite muss Ihr betriebliches Verfahren abdecken.[6]
  • Deutschland: Nach BetrSichV § 10 Abs. 3 Nr. 7 sorgt der Arbeitgeber für Einrichtungen, mit denen nach der Trennung noch gespeicherte Energien beseitigt werden können; sie sind zu kennzeichnen.[7] Die DGUV Information 209-015 beschreibt die Praxis.[2]
  • Schweiz: Zu den acht lebenswichtigen Regeln der Suva für die Instandhaltung gehören: Anlage ausschalten und mit dem persönlichen Vorhängeschloss sichern (Regel 3), gespeicherte Energien sichern (Regel 4). Jährlich verlieren mehr als zehn Menschen bei Instandhaltungsarbeiten ihr Leben.[8]
  • Frankreich: Das INRS (ED 6109) gliedert die Freischaltung von Leitungen unter Druck in vier Vorgänge: trennen, entleeren, sichern (Absperrorgane zu, Entlüftungsorgane offen), prüfen.[4]

Teil 5: Wo The Lock Box ins Spiel kommt

In unserer Kategorie Pneumatik-Verriegelung finden Sie die Vorrichtungen für Kupplungen und Stecker: die Pneumatische Luftisolationsbox, die Pneumatische Absperrung und die Absperrung der Luftquelle aus Edelstahl (Edelstahl 304, Anschlüsse von 7 bis 20 mm, zwei Verriegelungspunkte), dazu Abdeckungen für Gasflaschenventile. Für Absperrventile beginnen Sie mit der Universal-Kugelhahn-Absperrung. An jede Trennstelle kommt dann pro Person ein Sicherheitsschloss mit LOTO-Anhänger.

Halten Sie jede Trennstelle, das Entlüften und die Prüfung auf Druckfreiheit für jede Maschine schriftlich fest, mit unserer kostenlosen Vorlage LOTO-Verfahrensanweisung (PDF, Word oder Excel).

Welche Vorrichtung passt zu Ihren Kupplungen?

Schicken Sie uns Kupplungstyp, Steckerdurchmesser oder Ventilgröße, am besten mit Foto. Kontaktieren Sie The Lock Box, und wir schlagen für jede Trennstelle eine passende Vorrichtung vor.


Quellen

  1. Festo. Datenblatt DSBC-100-80-D3-PPVA-N3 (Teilenummer 8165660): Kolbendurchmesser 100 mm, theoretische Kraft bei 0,6 MPa (6 bar), Vorhub. https://docs.rs-online.com/23f7/A700000013130408.pdf (abgerufen 2026)
  2. DGUV. DGUV Information 209-015: Instandhaltung an Maschinen und Anlagen, Juni 2026, S. 50-51 (persönliche Schlösser, Absperrvorrichtungen) und Abschnitt 5.2.3, S. 86 (Restdruck, Unfallbeispiel). https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/338/instandhaltung-an-maschinen-und-anlagen
  3. Europäische Union. Richtlinie 2006/42/EG über Maschinen, Anhang I 1.6.3, https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2006/42/oj; Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen, Anhang III 1.6.3, https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1230/oj
  4. INRS. ED 6109: Consignations et déconsignations, 3. Auflage, Oktober 2020, Kapitel 6.1, S. 18. https://www.inrs.fr/dam/inrs/CataloguePapier/ED/TI-ED-6109.pdf
  5. ISO. ISO 14118:2017: Safety of machinery, Prevention of unexpected start-up, Abschnitt 3.3. https://www.iso.org/standard/66460.html
  6. ISO. ISO 4414:2010: Pneumatic fluid power, General rules and safety requirements for systems and their components, Anwendungsbereich. https://www.iso.org/standard/44790.html
  7. Bundesministerium der Justiz. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), § 10 Instandhaltung und Änderung von Arbeitsmitteln. https://www.gesetze-im-internet.de/betrsichv_2015/__10.html
  8. Suva. Acht lebenswichtige Regeln für die Instandhaltung (84040.D), März 2022. https://www.suva.ch/84040.d