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16. Mai 2025

Zertifizierungen für Arbeitssicherheit: NEBOSH, IOSH, Sifa, ASA

Welche Zertifizierungen für Arbeitssicherheit in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich zählen, was sie voraussetzen und warum NEBOSH die nationalen Titel nicht ersetzt.

Zertifizierungen für Arbeitssicherheit: NEBOSH, IOSH, Sifa, ASA

Zertifizierungen für Arbeitssicherheit gibt es in zwei Arten: internationale Abschlüsse wie NEBOSH und IOSH, die Arbeitgeber über Grenzen hinweg anerkennen, und nationale Qualifikationen, die das Schweizer, deutsche und französische Recht ausdrücklich verlangen. Allein das NEBOSH International General Certificate haben über 265.000 Menschen erworben.[1]

Bevor Sie buchen, klären Sie drei Fragen:

  1. Nach welchem Landesrecht werden Sie arbeiten?
  2. Muss die Stelle formell bestellt werden (ASA-Spezialist in der Schweiz, Fachkraft für Arbeitssicherheit in Deutschland), oder genügt dem Arbeitgeber ein Kompetenznachweis?
  3. Wie viel Zeit können Sie aufwenden: drei Tage, einige Wochen oder ein Jahr berufsbegleitend?

Teil 1: Zertifizierungen für Arbeitssicherheit im Überblick

Internationale Zertifikate belegen Wissen. Nationale Qualifikationen verlangt das Gesetz, wenn ein Arbeitgeber eine Fachperson für Arbeitssicherheit bestellen muss.

ZertifizierungVergeben oder geregelt durchVoraussetzungenDauer
NEBOSH International General CertificateNEBOSH (UK)Keine; Englisch auf IELTS-Niveau 6.0 empfohlen63 Unterrichtsstunden plus rund 40 Stunden Selbststudium[1]
IOSH Managing SafelyIOSH (UK)Keine3 Tage[3]
Sicherheitsfachmann / Sicherheitsfachfrau (CH)Anerkannte Kurse nach der EignungsverordnungBerufsabschluss und 3 Jahre BerufspraxisMindestens 20 Tage[6]
Spezialist/in ASGS mit eidg. Fachausweis (CH)Eidgenössische BerufsprüfungEFZ und mehr als 3 Jahre Berufspraxis oder gleichwertigSuva-Kurs: 26 Tage über 12 Monate[8]
Fachkraft für Arbeitssicherheit (DE)Anerkannte Qualifizierungsträger, z. B. die DGUV AkademieIngenieur, Techniker oder Meister, 2 Jahre BerufserfahrungRund 85 Wochen berufsbegleitend[11]
IPRP (FR)Registrierung bei der DREETSEinschlägiges Studium oder 5 Jahre PräventionserfahrungRegistrierung, kein Kurs[14]

Teil 2: NEBOSH International General Certificate

Das IGC ist der internationale Einstieg in eine Laufbahn im Arbeitsschutz. NEBOSH hat es für 2026 überarbeitet; die ersten Prüfungen nach dem neuen Lehrplan liefen ab dem 4. März 2026.[1]

  • Prüfung: GIC1 ist eine szenariobasierte Open-Book-Prüfung mit abschließendem Gespräch. GIC2 ist eine dreistündige praktische Gefährdungsbeurteilung Ihres eigenen Arbeitsplatzes mit Maßnahmenplan.
  • Voraussetzungen: keine formalen. GIC1 gibt es in sieben Sprachen, darunter Englisch und Französisch, nicht aber Deutsch.
  • Zeitaufwand: mindestens 63 Unterrichtsstunden und rund 40 Stunden Selbststudium; Intensivkurse dauern 10 Arbeitstage.
  • Kosten: legt jeder akkreditierte Learning Partner selbst fest; reines Selbststudium ist nicht möglich.

Ein Haken für Lernende in Europa: Für die IOSH-Mitgliedschaft zählt das IGC nur, wenn die Prüfung im Vereinigten Königreich abgelegt wurde, außer Sie waren vor dem 31. August 2022 bei NEBOSH registriert.[1] Die nächste Stufe ist das NEBOSH Level 6 International Diploma: mindestens 185 Unterrichtsstunden, 144 Stunden Selbststudium und 80 Prüfungsstunden, mit dem General Certificate als dringend empfohlener Vorstufe.[2]

Teil 3: IOSH Managing Safely

Managing Safely ist ein dreitägiger Kurs für Vorgesetzte und Teamleitungen, ohne Vorkenntnisse im Arbeitsschutz. Er behandelt die Beurteilung und Beherrschung von Risiken, Verantwortlichkeiten, Gefährdungen, Unfalluntersuchung und Leistungsmessung. Das Zertifikat läuft nicht ab; den Preis legt der Schulungsanbieter fest.[3]

Es ist ein Sensibilisierungskurs, keine Berufsqualifikation: passend für eine Produktionsleitung, nicht für eine Stelle als Fachkraft. Das nächste Schweizer Gegenstück ist die Weiterbildung zum Sicherheitsassistenten ASGS: einige Tage, ohne besondere Zulassungsbedingungen.[7]

Teil 4: NEBOSH-Äquivalente in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich

Ein einheitliches europäisches NEBOSH-Äquivalent gibt es nicht. Jedes Land regelt seinen eigenen Titel, und ein NEBOSH-Zertifikat ersetzt ihn nicht.

Schweiz: ASA-Spezialisten nach EKAS

ASA steht für «Arbeitsärzte und andere Spezialisten der Arbeitssicherheit». Arbeitgeber müssen sie beiziehen, wenn das Risiko, die Zahl der Beschäftigten oder fehlendes Fachwissen es erfordern (Art. 11a VUV); die EKAS-Richtlinie 6508 (ASA-Richtlinie) konkretisiert diese Pflicht.[4][5]

  • Sicherheitsfachmann / Sicherheitsfachfrau: einschlägiger Berufsabschluss, mindestens drei Jahre Berufspraxis und ein anerkannter Weiterbildungskurs von mindestens 20 Tagen mit Prüfung.[6]
  • Spezialist/in für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz mit eidg. Fachausweis: der Weg, den die EKAS empfiehlt; wer die Berufsprüfung besteht, gilt als Sicherheitsfachmann oder -fachfrau (Art. 11d VUV).[5][7] Die Suva nennt für ihren Vorbereitungskurs 15 300 Franken, nach Abzug der Bundesbeiträge von SBFI und EKAS 5083 Franken, als unverbindliche Schätzung.[8]
  • Sicherheitsingenieur/in: naturwissenschaftlich-technisches Hochschuldiplom, zwei Jahre Berufspraxis und ein anerkannter Kurs von 35 Tagen.[6][7]

Im Ausland ausgebildet? Die Suva muss Ihre Ausbildung erst als gleichwertig anerkennen, danach besuchen Sie einen Einführungskurs ins Schweizer Recht.[9]

Deutschland: Fachkraft für Arbeitssicherheit

Der Arbeitgeber bestellt die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) schriftlich (§ 5 ASiG). Sie muss Sicherheitsingenieur, -techniker oder -meister sein und die sicherheitstechnische Fachkunde besitzen (§ 7 ASiG).[10] Nach § 4 DGUV Vorschrift 2 heißt das: berufliche Basisqualifikation, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung und ein abgeschlossener Qualifizierungslehrgang. An der DGUV Akademie dauert er rund 85 Wochen, als Schnellläufer-Kurs rund 60 Wochen, mit Praktika im Betrieb. Meldet Ihr Unfallversicherungsträger Sie an, trägt er Lehrgangs- und Reisekosten.[11]

Davon zu unterscheiden sind Sicherheitsbeauftragte: Beschäftigte, die neben ihrer eigentlichen Arbeit auf Sicherheit achten. Pflicht sind sie ab regelmäßig 50 Beschäftigten, bei besonderer Gefährdung schon ab 21 (§ 22 SGB VII).[12]

Frankreich: salarié compétent und IPRP

Das französische Recht verlangt kein bestimmtes Zertifikat. Der Arbeitgeber benennt einen oder mehrere sachkundige Beschäftigte für den Arbeitsschutz (salarié compétent, Art. L. 4644-1 Code du travail).[13] Fehlt das Fachwissen, kann er einen IPRP (intervenant en prévention des risques professionnels) beiziehen. Selbständige IPRP registrieren sich bei der DREETS, mit Ingenieurdiplom, zwei bis drei Jahren einschlägigem Studium oder fünf Jahren Präventionserfahrung; die Registrierung gilt fünf Jahre.[14]

Bewährte Praxis: Wählen Sie nach der Stelle, nicht nach dem Logo. Ein britisch geführter Konzern fragt eher nach NEBOSH, ein Schweizer Betrieb mit Beizugspflicht braucht den Schweizer Titel, ein deutscher Arbeitgeber eine Sifa. Neu im Arbeitsschutz? Unser Beitrag zur ersten Stelle im Arbeitsschutz ohne Erfahrung zeigt, wie Sie die nötige Praxis sammeln.

Teil 5: SCC, VCA und ISO 45001 Lead Auditor

SCC und VCA sind Sicherheitsprogramme für Kontraktoren, also für operative Mitarbeitende und ihre Führungskräfte. In Deutschland gehört SCC dem VAZ e.V.: Personenzertifikate nach SCC-VAZ 2021 gelten fünf Jahre, und ab dem 1. November 2026 werden Nachweise nach dem alten Regelwerk SCC 2011 nicht mehr akzeptiert.[15] In Belgien brauchen operative Mitarbeitende VCA-zertifizierter Firmen ein Basisdiplom B-VCA, das höchstens zehn Jahre alt ist.[16]

ISO 45001 Lead Auditor passt für Sicherheitsverantwortliche, die Managementsysteme auditieren. CQI und IRCA zertifizieren die Kurse, meist fünf Tage mit Prüfung; sie erfüllen die Schulungsanforderung für die IRCA-Auditorenzertifizierung.[17]

Teil 6: Wo The Lock Box ins Spiel kommt

Nach dem Abschluss schreiben Sie Verfahren und legen die Ausrüstung dafür fest; in Deutschland gehört die Beratung bei der Beschaffung technischer Arbeitsmittel ausdrücklich zu den Aufgaben der Sifa (§ 6 ASiG).[10] Lockout-Tagout (LOTO) ist oft das erste Projekt, und unser Leitfaden für das Lockout-Tagout-Verfahren zeigt die Schritte. Für die ersten Dokumente nutzen Sie unsere kostenlosen Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung und die Arbeitsfreigabe, als PDF, Word oder Excel.

Für ein Instandhaltungsteam enthält das Lockout-Tagout-Set für Ventile und Elektrik im Polypropylen-Koffer vier 38-mm-Sicherheitsschlösser aus Stahl, zwölf Anhänger sowie Verriegelungen für Leitungsschutzschalter und Ventile. Die LOTO-Anhänger Stil 1 sind aus beschreibbarem PVC, Text und Gestaltung auf Bestellung anpassbar. Weitere Größen finden Sie bei unseren Lockout-Tagout-Sets.

Ausrüstung für eine neue Stelle im Arbeitsschutz festlegen?

Sagen Sie uns, was in Ihrem Betrieb abgesperrt werden muss, und wir schlagen ein passendes Start-Set vor: Kontakt zu The Lock Box.


Quellen

  1. NEBOSH. International General Certificate in Occupational Health and Safety (Englisch). https://www.nebosh.org.uk/qualifications/international-general-certificate/ (abgerufen am 19.10.2026)
  2. NEBOSH. Level 6 International Diploma for Occupational Health and Safety Management Professionals (Englisch). https://www.nebosh.org.uk/qualifications/international-diploma-for-health-and-safety-management-professionals/ (abgerufen am 19.10.2026)
  3. IOSH. Managing Safely awareness course (Englisch). https://iosh.com/qualifications-and-courses/courses/awareness-courses/managing-safely (abgerufen am 19.10.2026)
  4. EKAS. Wann es Spezialisten der Arbeitssicherheit braucht. https://www.ekas.admin.ch/de/arbeitssicherheit-und-gesundheitsschutz/informationen-fuer-arbeitgebende/wann-es-spezialisten/spezialistinnen-der-arbeitssicherheit-braucht (abgerufen am 19.10.2026)
  5. Schweizerischer Bundesrat. Verordnung über die Unfallverhütung (VUV), SR 832.30, Art. 11a und 11d. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1983/1968_1968_1968/de (abgerufen am 19.10.2026)
  6. Schweizerischer Bundesrat. Verordnung über die Eignung der Spezialistinnen und Spezialisten der Arbeitssicherheit, SR 822.116, Art. 1, 2 und 6. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1996/3121_3121_3121/de (abgerufen am 19.10.2026)
  7. EKAS. Weiterbildungsangebote Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. https://www.ekas.admin.ch/de/arbeitssicherheit-und-gesundheitsschutz/weiterbildungsangebote (abgerufen am 19.10.2026)
  8. Suva. Spezialistin / Spezialist ASGS: Vorbereitungskurs. https://www.suva.ch/de-ch/praevention/beratung-kurse-und-angebote/weiterbildung-kurse-und-lehrgaenge/ausbildungsstufen-sibe/spezialist-asgs (abgerufen am 19.10.2026)
  9. Suva. Anerkennung ausländischer Ausbildungen im Bereich Arbeitssicherheit. https://www.suva.ch/de-ch/praevention/beratung-kurse-und-angebote/weiterbildung-kurse-und-lehrgaenge/anerkennung-ausbildung-im-ausland-asgs (abgerufen am 19.10.2026)
  10. Bundesministerium der Justiz. Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (ASiG), §§ 5-7. https://www.gesetze-im-internet.de/asig/BJNR018850973.html (abgerufen am 19.10.2026)
  11. DGUV Akademie. Beschreibung des Qualifizierungslehrgangs zur Fachkraft für Arbeitssicherheit 2027, Version 2.0 vom 05.10.2026 (PDF). https://www.dguv.de/medien/akademie/qualifizierung/dokumente/sifa/2027_beschreibung_lf1-6.pdf (abgerufen am 19.10.2026)
  12. Bundesministerium der Justiz. Sozialgesetzbuch (SGB) Siebtes Buch, § 22 Sicherheitsbeauftragte. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_7/__22.html (abgerufen am 19.10.2026)
  13. INRS. Salarié compétent (Französisch). https://www.inrs.fr/demarche/salarie-competent/ce-qu-il-faut-retenir.html (abgerufen am 19.10.2026)
  14. INRS. IPRP, des compétences techniques ou organisationnelles en matière de santé et de sécurité au travail (Französisch). https://www.inrs.fr/demarche/iprp/intervenant-prevention-risques-professionnels.html (abgerufen am 19.10.2026)
  15. VAZ e.V. SCC-VAZ 2021 und SGU-Personal. https://www.vaz-ev.de/index.php/zertifizierungsprogramme/scc (abgerufen am 19.10.2026)
  16. BeSaCC-VCA. Basic safety (B-VCA) (Englisch). https://www.besacc-vca.be/en/basisveiligheid-b-vca/ (abgerufen am 19.10.2026)
  17. CQI | IRCA. ISO 45001:2018 Lead Auditor (OHSMS) course (Englisch). https://www.quality.org/training/ISO-45001-lead-auditor-OHSMS-course (abgerufen am 19.10.2026)