Die Geschichte des Vorhängeschlosses reicht mindestens 2200 Jahre zurück: Das älteste vollständig erhaltene Spreizfederschloss stammt aus dem Mausoleum des ersten chinesischen Kaisers und damit aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.[1] Im Betrieb ist seine wichtigste Aufgabe heute Lockout-Tagout (LOTO): ein persönliches Schloss an jeder Trennstelle, damit niemand eine Maschine einschaltet, an der gerade gearbeitet wird.
Dieser Beitrag beantwortet vier Fragen:
- Wann wurde das Vorhängeschloss erfunden, und von wem?
- Was ist ein Vorhängeschloss, und wie ist es aufgebaut?
- Wie hat sich der Mechanismus entwickelt, von der Feder zum Stiftzylinder?
- Was unterscheidet ein Sicherheitsschloss für LOTO vom Schloss am Spind?
Teil 1: Wer hat das Vorhängeschloss erfunden, und wann?
Vorhängeschlösser gab es in China spätestens im 3. Jahrhundert v. Chr., in Britannien schon vor der römischen Eroberung. Einen Erfinder kennt man nicht: Die frühesten Vorhängeschlösser sind archäologische Funde, keine Patente.
Das älteste vollständige Exemplar aus China stammt aus dem Mausoleum des ersten Qin-Kaisers.[1] In Britannien waren eiserne Spreizfederschlösser seit der späten Eisenzeit in Gebrauch und sind von mehreren römischen Fundstellen bekannt.[2]
Das Prinzip ist einfach. Am Riegel oder Bügel sitzen flache Federn, die wie Widerhaken wirken: Sie gleiten ins Gehäuse, spreizen sich und verhaken. Erst wenn der Schlüssel die Federn zusammendrückt, lässt sich der Riegel herausziehen.[3] Um 200 n. Chr. war dieses Federschloss in China eine verbreitete Bauart.[3]
In China wurde das Vorhängeschloss zur häufigsten Schlossart, weil es sich leicht mitnehmen ließ. Ein langer, gerader Bügel führte durch zwei Ringe an einer Tür oder Truhe. Chinesische Schlosser bauten auch Rätselschlösser, die sich selbst mit dem richtigen Schlüssel nur in einer festen Abfolge von Handgriffen öffnen ließen.[1]
Teil 2: Geschichte des Vorhängeschlosses im Überblick
| Wann | Wo | Was sich änderte |
|---|---|---|
| 3. Jahrhundert v. Chr. | China | Ältestes vollständig erhaltenes Spreizfederschloss |
| Späte Eisenzeit bis Römerzeit | Britannien | Eiserne Spreizfederschlösser in Gebrauch |
| Um 200 n. Chr. | China | Federschloss als verbreitete Bauart |
| 1100 bis 1400 | England | Spreizfederschlösser weiter in Gebrauch |
| 17. Jahrhundert | Europa | Große eiserne Vorhängeschlösser, etwa eines von 21 cm im Met |
| 1865 | USA | Linus Yale Jr. patentiert Verbesserungen am Stiftschloss |
| Heute | Betriebe | Sicherheitsschlösser: ein persönliches Schloss pro Person |
Die letzte Zeile beschreibt ein anderes Werkzeug: Unsere LOTO-Vorhängeschlösser schützen die Person, die an einer Maschine arbeitet (Teil 6).
Teil 3: Was ist ein Vorhängeschloss?
Ein Vorhängeschloss ist ein Schloss mit einem Bügel, der sich mit dem Schlüssel öffnen lässt und zum Verschließen einer Tür oder eines Behälters in eine Krampe eingehängt wird.[4] Der Name sagt es: Das Schloss wird vorgehängt, statt wie ein Türschloss eingebaut zu sein. Deshalb lässt es sich zu jeder Truhe, jedem Tor und jeder Trennstelle mitnehmen. Auf Englisch heißt es padlock.
Der Aufbau ist bei den meisten Modellen gleich:
- Gehäuse (Schlosskörper), in dem das Schließwerk sitzt
- Bügel, der im Gehäuse einrastet
- Schließwerk: früher Spreizfedern, heute oft ein Stiftzylinder (Teil 5)
- Schlüssel, der die Sperre löst
Zur Funktionsweise: Drücken Sie den Bügel ins Gehäuse, rastet er ein. Der Schlüssel löst die Sperre, dann springt der Bügel auf oder lässt sich herausziehen.
Teil 4: Vorhängeschlösser im Mittelalter und danach
Das Spreizfederschloss überdauerte das Römische Reich lange. Ein in Norfolk (England) gefundenes Spreizfeder-Vorhängeschloss ist auf 1100 bis 1400 datiert.[5]
Erhaltene europäische Vorhängeschlösser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sind oft aus Eisen oder Stahl. Ein eisernes Vorhängeschloss aus dem 17. Jahrhundert im Metropolitan Museum of Art misst 21 mal 7 cm.[6] Zum Vergleich: Das Gehäuse unserer 38-mm-Sicherheitsschlösser misst 45 mal 37 mm.
Diese Schlösser schützten Truhen, Tore und Lager vor Diebstahl. Ein Vorhängeschloss in der Industrie hat bei LOTO eine andere Aufgabe: Es muss seinen Besitzer ausweisen und darf sich nur mit dem eigenen Schlüssel öffnen lassen.
Teil 5: Linus Yale und der Stiftzylinder
Linus Yale Jr. (1821-1868) schuf mit seinen Neuerungen die Grundlage des modernen Schlosses mit Schlüssel und Zuhaltungen.[7] Er erfand das erste moderne Zylinderschloss: einen Stiftzuhaltungs-Mechanismus nach einem Prinzip, das schon im alten Ägypten bekannt war, betätigt mit einem kleinen flachen Schlüssel mit gezackten Kanten.[7] Sein Patent vom 27. Juni 1865 beschreibt Verbesserungen an Stiftschlössern, darunter den Zylinder und das Zuhaltungsgehäuse.[8]
Im Stiftzylinder blockieren federbelastete Stifte unterschiedlicher Länge den Zylinderkern. Nur der passende Schlüssel hebt jeden Stift auf die Trennlinie, an der sich der Kern drehen lässt. Wird jeder Schlüssel anders geschnitten, hat jedes Schloss seinen eigenen Schlüssel. Bei Sicherheitsschlössern heißt das „verschiedenschließend“.
Teil 6: Vom Vorhängeschloss zum Sicherheitsschloss
In der Instandhaltung schützt das Schloss die Person, nicht das Eigentum: Es hält eine Trenneinrichtung in der Aus-Stellung fest. Dafür gelten Regeln:
- EU: Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, Anhang I, Abschnitt 1.6.3, verlangt Trenneinrichtungen, die abschließbar sind, wenn das Wiedereinschalten Personen gefährden kann.[9] Ab dem 20. Januar 2027 gilt an ihrer Stelle die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230.[10]
- Schweiz: Nach Regel 3 der acht lebenswichtigen Regeln der Suva für die Instandhaltung schaltet der Mitarbeitende vor der Arbeit alle Energiequellen aus: „Ich sichere die Anlage mit meinem persönlichen Vorhängeschloss.“[11]
- Frankreich: Der INRS-Leitfaden ED 6109 verlangt eine eigene, schwer zu überwindende und leicht erkennbare Verriegelung; bei Mehrfachverriegelung gilt: eine Person, ein Schlüssel.[12]
- USA, zum Vergleich: OSHA 29 CFR 1910.147 verlangt seit 1989 Lockout-Vorrichtungen, die haltbar, nach Farbe, Form oder Größe einheitlich und stabil sind und die Person ausweisen, die sie angebracht hat.[13]
In der Praxis ist ein Sicherheitsschloss verschiedenschließend, einer Person zugeordnet, mit Farbe und Namen gekennzeichnet und für nichts anderes im Einsatz. Bei manchen Modellen lässt sich der Schlüssel bei geöffnetem Bügel nicht abziehen, so bleibt kein Schloss offen zurück. Der Beitrag zum Unterschied zwischen LOTO-Vorhängeschlössern und normalen Vorhängeschlössern geht ins Detail, und die Schritte von Lockout-Tagout zeigen, wo das Schloss im Ablauf sitzt.
Bewährte Praxis: Geben Sie jeder Person eigene Sicherheitsschlösser, mit ihrem Namen gekennzeichnet, und verwenden Sie diese nur für LOTO. Normale Vorhängeschlösser für Werkzeugkiste oder Spind sollen dafür laut INRS nicht verwendet werden.[12]
Teil 7: Wo The Lock Box ins Spiel kommt
Unsere Sicherheitsschlösser für Lockout-Tagout gibt es mit Gehäuse aus Nylon, Stahl, Aluminium oder Messing. Drei davon:
- Sicherheitsschloss aus Nylon 38mm: Gehäuse und Bügel aus verstärktem Nylon, zehn Farben; der Schlüssel lässt sich bei geöffnetem Bügel nicht abziehen.
- Sicherheitsschloss aus Stahl 38mm: dasselbe Nylongehäuse von 45 mal 37 mm mit Edelstahlbügel, zehn Farben und dieselbe Schlüsselrückhaltung.
- Vorhängeschloss aus Messing 60mm: Messinggehäuse und Edelstahlbügel mit 6,2 mm Durchmesser.
Für die Auswahl lesen Sie unseren Leitfaden zu persönlichen LOTO-Vorhängeschlössern. Ein Schloss schützt nur die Stellen, die ein Verfahren nennt: Halten Sie diese Trennstellen für jede Anlage in unserer kostenlosen Vorlage LOTO-Verfahrensanweisung fest (PDF, Word oder Excel).
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Kontaktieren Sie The Lock Box mit der Zahl der Mitarbeitenden und Trennstellen in Ihrem Betrieb, und wir schlagen Ihnen Schlösser und ein Farbschema für Ihr LOTO-Verfahren vor.
Quellen
- Zhang, Y., Wang, H.-T., Lin, J.-L., Huang, C.-F. und Hsiao, K.-H. Structural analysis of traditional Chinese blocked-keyhole padlocks. Mechanical Sciences 13, 791-802 (2022). https://ms.
copernicus. org/ articles/ 13/ 791/ 2022/ - Amgueddfa Cymru, Museum Wales. Iron Age / Roman iron barb sprung lock, Objekt 2000.45H/1.117, Castell Henllys. https://museum.
wales/ collections/ online/ object/ 21059e8e- f0e7- 3382- aa99- 293507d95461/ - Hsiao, K.-H. Structural analysis of traditional Chinese hidden-keyhole padlocks. Mechanical Sciences 9, 189-199 (2018). https://ms.
copernicus. org/ articles/ 9/ 189/ 2018/ - DWDS, Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Vorhängeschloss (Bedeutung nach eWDG, Wortzerlegung). https://www.
dwds. de/ wb/ Vorh%C3%A4ngeschloss - Norfolk Heritage Explorer. NHER 66577: Medieval barb-spring padlock, 1100 bis 1400 n. Chr. https://nhe.
esdm. co. uk/ Monument/ MNF75424 - The Metropolitan Museum of Art. Padlock, 17. Jahrhundert, Eisen, 21 x 7 cm, Inventarnummer 87.11.47. https://www.
metmuseum. org/ art/ collection/ search/ 186848 - National Inventors Hall of Fame. Linus Yale Jr. https://www.
invent. org/ inductees/ linus- yale- jr - Yale, L. Jr. Improvement in locks. US-Patent 48,475, 27. Juni 1865. https://patents.
google. com/ patent/ US48475A/ en - EUR-Lex. Richtlinie 2006/42/EG über Maschinen, Anhang I, Abschnitt 1.6.3 (Trennung von den Energiequellen). https://eur-
lex. europa. eu/ legal- content/ DE/ TXT/ ? uri= CELEX:32006L0042 - Europäische Kommission. Machinery: Regulation (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027. https://single-
market- economy. ec. europa. eu/ sectors/ mechanical- engineering/ machinery_ en - Suva. Acht lebenswichtige Regeln für die Instandhaltung (84040.D), Regel 3, überarbeitete Ausgabe März 2022. https://www.
suva. ch/ 84040. d - INRS. ED 6109: Consignations et déconsignations, 3. Auflage, Oktober 2020, S. 11 und 17. https://www.
inrs. fr/ dam/ inrs/ CataloguePapier/ ED/ TI- ED- 6109. pdf - OSHA. 29 CFR 1910.147: The control of hazardous energy (lockout/tagout), Absatz (c)(5)(ii); erstmals veröffentlicht 54 FR 36687, 1. September 1989. https://www.
osha. gov/ laws- regs/ regulations/ standardnumber/ 1910/ 1910. 147